Interview: Berta Ulmer,  Familiengarten Wiedikon, Zürich

Bild: rr

Frau Ulmer, seit wann gärtnern Sie in ihrem Familiengarten in Wiedikon und wie kamen Sie zu dem Garten?

Die Idee für einen Garten hatte ich schon lange. Ich bin in Schwyz aufgewachsen und wir hatten dort einen Garten. Mein Vater baute die besten Tomaten an und ich wollte unbedingt den Geschmack dieser Tomaten aus Kinderzeiten hier in Zürich wieder geniessen. Zudem bin ich gerne in der Natur und habe gerne Blumen um mich. Ich bewarb mich also um einen Garten und musste aber 2 Jahre warten. Ich weiss es noch heute, im April 1985 bekam ich den Garten zugesprochen.

 

 

 

In den 33 Jahren, in denen Sie den Garten nun pflegen und hegen, welcher Wandel hat sich im Familiengarten vollzogen?

Es hat wieder mehr junge Familien mit Kindern, die heute einen Garten bewirtschaften. Früher, als ich angefangen hatte, waren meine Gartennachbarn mehrheitlich im Pensionsalter. Da hat sich ein Wandel vollzogen. Es hatte immer schon viele Nationalitäten, da hat sich aus meiner Erfahrung nicht viel verändert. Was sich verändert hat, ist das Ansehen. Früher wurde ich belächelt, wenn ich sagte, ich gehe in den Garten. Da haben sich die Werte verschoben. Heute werde ich eher gefragt: «Was, du hast einen Garten in der Stadt. Das möchte ich auch». Heute ist gärtnern wieder angesagt.  

 

«Mein Vater baute die besten Tomaten an und ich wollte unbedingt den Geschmack dieser Tomaten aus Kinderzeiten auch hier in Zürich wieder geniessen.»

 

Der Garten des  Nachbarn ist ja was Heiliges. Im Familiengarten ist man aber Parzelle an Parzelle. Wie ist das Verhältnis untereinander?

Ich habe nur gute Erfahrungen gemacht. Es kam auch nie zu Konflikten. Es haben sich über die Zeit sogar Freundschaften entwickelt und man sitzt ab und zu auch zusammen und plaudert miteinander oder trinkt was zusammen. Man hilft sich gegenseitig. Wenn man in den Ferien ist, giesst der Nachbar den Garten oder man hilft sich mit Setzlingen aus oder bei Gartenarbeiten. Dass es auch Konflikte gibt, höre ich dann eher jeweils an der GV des Familienvereins.

 

Gibt eigentlich so ein Garten viel zu tun?

Ich führte ja 40 Jahre ein Malergeschäft mit meinem Mann und mit der Kindererziehung wurde es manchmal schon etwas happig, alles unter einen Hut zu bringen. Lange Zeit konnte ich nur am Samstag in den Garten gehen. Seit ich pensioniert bin, verbringe ich viel mehr Zeit im Garten und das schätze ich sehr.

 

«Man hilft sich gegenseitig. Wenn man in den Ferien ist, giesst der Nachbar den Garten oder man hilft sich mit Setzlingen aus oder bei Gartenarbeiten.»

 

Was bedeutet Ihnen der Garten? Erholung? Dient er der Selbstversorgung?

Der Garten bietet mir mehr Lebensqualität. Zudem ist er sehr schön gelegen, am Fuss des Uetliberg. Also sehr ruhig für Verhältnisse in der Stadt und mit schöner Aussicht. Ich säe alles selber aus, das ist für mich wichtig. Ich will von Anfang an sehen und miterleben, was später bei mir auf den Teller kommt. Der Garten ist für mich Fitness an der frischen Luft und trägt zu meiner Gesundheit bei. Ich bin eher der Mensch, der etwas machen muss, darum habe ich im Garten immer was zu tun. In den Garten zu gehen, um einfach zu sein, sich etwas zu entspannen, ist nicht meine Art. Ich sehe immer wieder etwas, was es im Garten noch zu jäten, zu pflanzen und zu giessen gibt.

 

rr/ 27.4.2018

 

 

 

 

Zur Person von Berta Ulmer

Berta Ulmer führte zusammen mit ihrem Mann über 40 Jahre ein Malergeschäft in Zürich und bewirtschaftet nebenbei seit 33 Jahren einen Familiengarten. Sie baut Kefen, Kopfsalate, Zucchetti, Winterblumenkohl und weitere Gemüse und Blumen an. Alle Pflanzen sät sie selber aus, dabei haben es ihr die Tomaten besonders angetan.

 

Familiengartenverein Wiedikon

Der Familiengartenverein Wiedikon hat seine Gartenareale im Quartier Friesenberg in Zürich. Er stellt seinen Mitgliedern von der Stadt Zürich gepachtetes Land zur Verfügung und sorgt für die Pflege der Gartenareale nach umweltfreundlichen Grundsätzen und naturnahen Anbaumethoden. Er stellt die erforderliche Infrastruktur zur Verfügung. 

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