Interview: Marco Eckle: Mikrogärtner – Das mobile Medienarchiv für Urban Gardening 2009-2052


Bild: Marco Eckle

Marco, wie bist du auf die Idee gekommen urbanes Gärtnern zu dokumentieren?

Da muss ich etwas ausholen. Als Sozialarbeiter liegt mir der Begriff der „Niederschwelligkeit“ sehr nahe. Durch den Abbau von Zugangshürden oder Zugangsbeschränkungen zu Diensten, Angeboten oder Orten, ist der Aufbau von authentischen Beziehungen möglich, abseits von formalen und eher hierarchischen Strukturen. Kombiniert mit gedanklichen Ansätzen, wie ich sie aus der kulturkreativen „Small is beautiful“-Bewegung um E.F. Schumacher kenne, war es dann für die ersten urbanen auch mobilen Gärten ein Leichtes mich inhaltlich abzuholen. Diese Inhalte erschienen mir so wertvoll, dass ich diese in einer leicht zugänglichen Form auch dokumentieren wollte. So ist schliesslich das entstanden, was ich heute „Urban Gardening Medienarchiv“ nenne.

 

 

 

Urbanes Gärtnern 2009 bis 2052 – hört danach das Gärtnern in der Stadt auf?

Rein gar nichts deutet auf ein Ende hin. Die Jahreszahl 2052 ist dem neuen Bericht an den Club of Rome entnommen, bekanntermassen eine globale Prognose. Diese ist und hier schließe ich mich Uwe Schneidewind, Präsident des Wuppertaler Instituts für Klima, Umwelt und Energie an, recht pessimistisch ausgefallen. Eine tendenziell pessimistische Grundhaltung in Bezug auf unsere ökologische Zukunft. Diese ist für die spürbare Aufbruchstimmung in den neu entstehenden, urbanen Gärten aus meiner Sicht eher hinderlich. Die Gärten sind schon heute in einer Vielzahl um uns, und wir sollten ihr Potenzial aktiv und kreativ nutzen statt die nächsten Jahrzehnte in einer Art angespannter, pessimistischer Grundhaltung zu verharren.

 

«Jeder, der möchte und die Zeit aufbringt, kann auf einfache Art und Weise dazu beitragen, dass sich das Medienarchiv weiter füllt»

 

Du bist aktiv auf Twitter. Deine Webseite ein Geheimtipp für alle an Urban Gardening Interessierten – wie zeitintensiv ist dein Projekt?

Das Archiv habe ich, der Digitalisierung sei Dank, ständig bei mir in der Hosentasche. Ein kontinuierliches, tägliches Recherchieren nach Medienberichten und die Verbreitung via Twitter gehört für mich zum Alltag, wenn auch nicht stundenlang und oftmals auch wenig systematisch. Das „Einpflegen“ in das Archiv nimmt dann etwas mehr Zeit in Anspruch. Denn hier geht es auch darum, Verlinkungen und weiterführende Artikel zusammenzuführen. Mittels einer einfachen Struktur auf Wordpress-Basis, die ich gemeinsam mit einem ehemaligen Kommilitonen erstellt habe, gelingt dies aber flüssig und ohne allzu grossen, zeitlichen Aufwand.

 

Du animierst die Leute auf deiner Webseite zum Mitmachen    wie sieht dieses Mitmachen aus?

Jeder, der möchte und die Zeit aufbringt, kann auf einfache Art und Weise dazu beitragen, dass sich das Medienarchiv weiter füllt und ein möglichst facettenreiches von urbanem Gärtnern, vorwiegend in Deutschland, Österreich und der Schweiz, abbildet. Hierfür sollte die Webseite weitgehend selbsterklärend sein. Leider ist es noch nicht möglich, Inhalte wie einem Wiki selbst einzustellen. Von daher übernehme ich dies mit etwas zeitlicher Verzögerung.

 

«Für mich persönlich sind sie um uns, diese friedlichen grünen Revolten»

 

Jedes Projekt braucht auch finanzielle Mittel. Ist das ein Hobby von dir oder wie finanzierst du das Projekt?  

Dem Medienarchiv liegen keinerlei kommerzielle Verwertungsinteressen zu Grunde. Es ist eine gemeinnützige Plattform ohne Sponsoren und ohne inhaltliche Einflussnahme von Unternehmen oder anderen Institutionen. Inhaltlich tragen es die, die sich damit beschäftigen. Die technische Infrastruktur, die wie gesagt „niederschwellig“ entworfen ist, stelle ich zur Verfügung.

 

Ist für dich Urban Gardening nur ein momentaner Trend oder steckt da mehr dahinter? 

Mit dem Begriff „Trend“ kann ich wenig anfangen. Ganz im Gegensatz zu dem der „grünen Revolte“ nach Schneidewind. Für mich persönlich sind sie um uns, diese friedlichen Revolten. Und sie markieren einen Wertewandel vom rein ökonomischen hin zu einem nachhaltigen Denken. Ich verorte diese kulturkreativen Revolten auch in urbanen und mobilen Gärten, die ihnen Ausdruck verleihen und sie weiter beflügeln können, nicht in Form von Trends, nicht bis 2052. Open End.

 

rr/20.4.2019

 

 

 __________________________

 

Zur Person

Marco Eckle, Mikrogärtner: Das Archiv "2009-2052" ist als mobiles Medienarchiv zu Urban Gardening gedacht, begleitet diese Entwicklungen aus Sicht der beobachtenden Medien und dokumentiert die zahlreicher werdenden Stimmen derjenigen, die sich mit urbanem Gärtnern beschäftigen.

 

Webseite besuchen


Medienarchiv - einige Beispiele

Graz: Urban Farming: Unsere kleine Farm auf dem Dach

Urban Gardening: Neue Kräuter- und Gemüsehochbeete in Dortmund-Hörde suchen PatInnen für die Pflege

Artenreiche Gärten: Oasen im Siedlungsraum von hohem sozialen Wert



Download
Interview.pdf
Adobe Acrobat Dokument 164.8 KB